Geris Ländlertipp vom 22. August 2018

Der 1939 geborene Toggenburger Ernst Müller war von 1962 bis 2004 auf der Liegenschaft «Frohwies» in Bächli-Hemberg nicht nur Land- und Gastwirt, sondern auch Musikant und Komponist. Als guter Handörgeler gründete er im selben Jahr zusammen mit dem noch sehr jungen Willi Valotti (1949) die legendäre Kapelle Echo vom Hemberg. Als Komponist beeindruckte er mit in Ländlerkreisen so bekannten Tänzen wie «Bim Bäre Kari z Gonte», «Schwimmbad-Hans», «Em Theo z lieb», «Hemberger Chilbi», «De Schützekönig» oder «Ä Stobä voll Goofä» in Erscheinung. Während im Rest der Schweiz der Ausdruck «Goof» für Kind kaum verwendet wird, ist er im Toggenburg und ihm angrenzenden Gebieten noch heute üblich.

Ernst Müller hat neben den genannten sechs Tänzen, die heutzutage oft gespielt werden, über zwei Dutzend weitere, typische Müller-Melodien geschrieben. Auf Initiative von Barbara Betschart, Leiterin und Geschäftsführerin des «Roothus Gonten», Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik, wurden die Werke vom Akkordeonisten Dani Bösch in einem Notenband aufgeschrieben und bisher nicht auf Tonträger aufgenommene und veröffentlichte Titel auf einer neuen CD eingespielt. Dazu formierte sich ein Handorgelduo mit Willi Valotti und Dani Bösch, begleitet von Walter Alder am Klavier und Köbi Schiess am Bass. Aber auch Ernst Müllers Sohn Christian ist zusammen mit Willi Valotti an der Handorgel zu hören, plus die Alpsteebuebe und die Kapelle Alder (5. Generation!) aus Urnäsch. Diese neue CD wird samt Notenbuch an einem Konzert am  Donnerstag, 20. September in der Kirche Hemberg  vorgestellt.

Ernst Müller war nie der Praktiker, konnte kaum Noten lesen, geschweige denn schreiben. Ihn interessierte das Musizieren. Er tat dies auf zwei Ebenen. Auf der einen mit dem Echo vom Hemberg im Handorgelduett, und in einer zweiten mit den Alder Buebe und vorwiegend Appenzeller Musik, weil Willi Valotti und Köbi Schiess vom Echo vom Hemberg zur Kapelle Heirassa wechselten.

Aktuell setzte die Herausgabe sämtlicher Kompositionen samt CD jetzt einige Gedankenarbeit voraus. Weil Müllers Musik nur in den Köpfen noch aktiver Musikanten zu finden war, musste sie «zusammen getragen» werden. Als Mann der ersten Stunde trug Willi Valotti viele Details und vor allem korrekte Echo vom Hemberg-Zweitstimmen bei und wirkte auch als Korrektor der Kompositionen.

Neben weiteren Titelsponsoren waren es entscheidend Ernst Müllers acht Kinder (vier Meitli, vier Buebe), die schliesslich mit ihrem finanziellen Engagement zum Gelingen des Projektes beitrugen. Die «Stobä voll Goofä», denen Ernst Müller mit dem gleichnamigen, wunderbaren Wälzerli einst den Titel widmete, geben damit den Dank an ihren Vater zurück. Sie sorgen mit ihrer Geste zudem dafür, dass dessen Melodien nicht nur in den Köpfen von Musikanten stecken, sondern dokumentiert in einem Notenband und eingespielt auf einem Tonträger (alles auch archiviert im «Rothuus Gonten») gar nie vergessen werden.

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Geris Ländlertipp vom 15. August 2018

Am nächsten Samstag wird das Tonhalle-Orchester Zürich (TOZ), eines der besten Sinfonieorchester Europas, die 6. Auflage der «Stubete am See» in Zürich eröffnen. Das seit 2008 alle zwei Jahre stattfindende Festival für so genannte «Neue Volksmusik» findet dieses Jahr wegen Umbau der Tonhalle Zürich in der Tonhalle Maag in Zürich West statt.

Das TOZ ist erstmals Gast. Auf die Spuren des seit 150 Jahren bestehenden, weltbekannten Orchesters einbiegen werden am Zürcher Anlass auch zwei Ländlerorchester. Die Reihe der von «Stubete am See» vor zehn Jahren initiierten «Ländlerorchester» wird 2018 mit dem Werk «Verändler» des Nidwaldner Geigers Andreas Gabriel fortgesetzt. Vor ihm hatten im Auftrag bereits Dominik Janett, Dani Häusler, Tommaso Huber, Markus Flückiger und Pirmin Huber die Herausforderung angenommen, für das Festival eine 45minütige Ländlersinfonie für grosse Ensemble zu komponieren. Pirmin Huber erhält mit seiner Formation nach 2016 und zusammen mit dem Muotataler Jodler Bernhard Betschart am Sonntag erneut einen Auftritt.

Andreas Gabriel (1982) stammt aus einer (volks)musikalischen Familie, in der er schon als Kind mit seinen Geschwistern und seinem Vater öffentlich musizierte. Stark mir der traditionellen Schweizer Volksmusik verbunden also, bewegt sich Gabriel heute in verschiedenen musikalischen Stils und Genres. Umso mehr lassen  – im Kontext des für Neue Volksmusik stehenden Festivals –  Gabriels Ausführungen zu seinem Werk aufhorchen: «Die schlichte Schönheit der alten, archaischen Melodien ist für mich zeitlos. Deshalb wird ein altes Muotathaler Bücheljüützli die Komposition eröffnen. Meine persönliche musikalische Antwort darauf erklingt als «Verändler» und ist der Versuch eines Brückenschlages von den überlieferten volksmusikalischen Strukturen und Melodien zu meinem zeitgenössisch geprägten Musikverständnis. Wie jede Sprache und jeder Dialekt einem steten Wandel unterworfen sind, so verändert sich auch die Sprache der Musik». Da hat Gabriel völlig recht.

Mit grosser Spannung dürfen sich Zuhörer auf dessen zwei Konzerte am Samstag um 17 und Sonntag um 18 Uhr freuen: «Mit Respekt vor der Tradition, aber auch mit grosser Lust zur Innovation, möchte ich diesen immer währenden Wandel im Ländlerorchester 2018 als Momentaufnahme erklingen lassen», sagt Andreas Gabriel weiter. «Verändler» könnte also durchaus dazu beitragen, festgefahrene Anschauungen und Meinungen in traditionellen wie progressiven Lagern aufzuweichen.

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Geris Ländlertipp vom 8. August 2018

Von der Volksmusikseite und -szene her betrachtet, gibt es für das Erreichen und Zustandekommen der Stubete am See eigentlich nur einen Begriff: Sensationell!

Das exakt vor 150 Jahren gegründete Tonhalle Orchester Zürich (TOZ) gehört seit Jahrzehnten zu den besten Sinfonie-Orchestern Europas. Etwa 100 Musikerinnen und Musiker aus über 20 Nationen spielen pro Saison über 100 Konzerte auf der ganzen Welt. Zum Jubiläum diese Saison vorwiegend in den musikalischen Zentren Asiens. Oft aber auch zu Hause in Zürich. Das Spitzenorchester hat über 40 Tonträger eingespielt. Alle Sinfonien von Brahms, Beethoven, Mahler und Schubert, plus Werke von Ravel.

Wegen Umbau des Kongresshauses und der  Tonhalle Zürich am bisherigen Standort am See, wo das Orchester beheimatet ist,  ziehen das TOZ mit seinen Schweizer Konzerten, aber auch die Biennale für Neue Schweizer Volksmusik, die an diesem Ort beheimatete «Stubete am See» vorübergehend in die Tonhalle Maag an der Kulturmeile Zürich-West.

Das TOZ wird vor allem mit klassischer Musik in Verbindung gebracht. Doch auch die Volksmusik hatte von Beginn an immer wieder Platz in der Tonhalle. Jetzt wird wohl auch aufgrund der momentanen Konstellation ein Traum der Organisatoren von «Stubete am See» wahr. Ihr Festival vom 18./19. August 2018 wird erstmals vom weltbekannten Tonhalle Orchester Zürich eröffnet. Das Spitzenensemble präsentiert dabei unter anderem ein neues Werk von Noldi Alder. Der durfte im Mai 2018 bekanntlich zusammen mit Willi Valotti einen Schweizer Musikpreis des Bundesamtes für Kultur entgegen nehmen. Das wiederum passt ausgezeichnet zum Festival-Schwerpunktthema «Alpstein-Spezial». Alders und  Valottis Wohnorte Appenzell und Toggenburg sind nur durch den Alpstein getrennt.

Weitere Alpstein Spezials im Festivalprogramm sind das Referat «Roothuus Gonten» und die Formationen Appenzeller Echo, Brandölzler Striichmusig und Jodelclub Säntisgruess, Streichmusik Edelweiss, Trio Anderscht, Karin Streule Band und StilleKlangRaumZeit.

Typisch für den Alpstein ist auch der Naturjodel, dem man in der Region vor allem abends in Restaurants immer wieder unverhofft begegnet. Ein Jodler stimmt ein Zauerli an, die Anwesenden im Raum unterstützen ihn mit «Gradhäbe». «Stubete am See» vermittelt Festivalbesuchern diese uralte Kultur in zwei je einstündigen Jodelkursen. Der in Benken wohnende Toggenburger Hans Jakob Scherrer wird je max. 25 Personen in das naturverbundene Erlebnis einführen.

Erlebnisse hat Stubete am See selbstverständlich noch viele weitere zu bieten. 40 Konzerte insgesamt, Tanzkurse, Stubeten zum Mitspielen, Kinderprogramme. «Stubete am See» möchte gerne auch neues Publikum aus Zürich und Umgebung ansprechen. Das Festival steht in erster Linie für «Neue Volksmusik». Viele hervorragende Musikerinnen und Musiker, die sich auf Grund ihrer Herkunft mit Überzeugung und Hingabe der traditionellen Volksmusik verpflichtet fühlen, freuen sich mit grosser Lust und Freude aber ebenso darauf, ein offenes Publikum auch mit so genannter WEV-Musik (weiter entwickelte Volksmusik) konfrontieren, überzeugen und begeistern zu dürfen. Das Studieren des vielseitigen Programmes im Vorfeld des Anlasses auf www.stubeteamsee.ch, und das Festlegen einer Auswahl von Konzerten ist allerdings eine empfehlenswerte Voraussetzung.

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Grossaufmarsch und Gast Gölä

Der Jodlerklub Lyssach hat zur 2. Jodlerwanderung geladen und die Freunde des Jodlergesangs, der regionalen Kulinarik und der urchigen Gemütlichkeit sind der Einladung aus der ganzen Schweiz und sogar aus Übersee gefolgt.  Der Star unter den rund 1’200 Gästen war Mundartrocker Gölä, der bei einer traditionellen Chästeilet als Käsegötti amtete und seine neue CD «urchig 2» lancierte.

Die Dorffahnen gehisst, das Wetter perfekt und überall gut gelaunte Menschen, die mit strammem Wanderschritt der Mehrzweckhalle entgegen marschierten. So präsentierte sich das Bild am vergangenen Samstag in Lyssach, kurz bevor der Startschuss für die ausgebuchte Jodlerwanderung abgegeben wurde.  Und bereits bei der zweiten Ausgabe, darf von einem Erfolgsrezept gesprochen werden. Denn so simpel  das Konzept, so erfolgreich das Resultat: Fünf Jodlerklubs – einer aus jedem Teilverband des Eidgenössischen Jodlerverbandes – bringen ihre regionalen Spezialitäten mit nach Lyssach und betreiben auf der 5 Kilometer langen Wanderstrecke ein Beizli, bei dem sich die Wanderschar verpflegen und verweilen kann. Der Jodlerklub Lyssach stellt dabei die Infrastruktur zur Verfügung und ist für die Gesamtorganisation verantwortlich.

Stargast Gölä zog alle in seinen Bann
Bodenständig und volksnah, so zeigte sich Gölä als Käsegötti und packte selber mit an, als es darum ging, den Laib Emmentaler Käse nach alter Tradition mit dem Drahtseil zu teilen. «Die Wanderung hat mir als Naturmensch und Musiker so wunderbar gefallen, dass ich die Strecke gleich zweimal abgelaufen bin. Die zufriedenen Menschen, die spontanen Jodeleinlagen und natürlich auch die verlockenden Köstlichkeiten, sind ganz nach meinem Geschmack.» Auch sein Amt als Käsegötti habe er sehr gerne wahrgenommen. «Ich kann so etwas zurück geben, denn es sind die Jodler vom Jodlerklub Lyssach, die bei meinem neuesten CD-Projekt «urchig 2» mit ihrem Gesang beim Lied «Wenn d’Sunne hinterem Jura untergeit» mitwirken. Das Lied ist der Wahnsinn – Hühnerhaut garantiert!» Natürlich waren die Signaturen und Selfies mit dem Mundartrocker den ganzen Tag über sehr gefragt.

Der Hitze getrotzt
Sie war in aller Munde und hat auch bei den Vorbereitungen zur Jodlerwanderung ordentlich Schweiss ausgetrieben: Die anhaltende Hitzewelle. Man hat sich deshalb einiges einfallen lassen, damit der Tag nicht zur Brutwanderung wurde: Oberster Wandervogel, OK-Präsident, André Vogel: «Mit kurzerhand organisierten Sprühnebelstationen, überall gekühlten Getränken und dank der Tatsache, dass ein Grossteil der Wanderstrecke durch den kühlen Wald und vorbei an vielen Brunnen führte, konnten wir den Gästen einen angenehmen Aufenthalt gewährleisten.» Und natürlich haben die wunderbaren Jodelklänge auf der ganzen Strecke und bis früh am Morgen auch dafür gesorgt, dass es einem immer wieder wohlig kalt den Rücken ab «tschuderete».

Grossartige Zusammenarbeit mit den Gastjodlerklubs
Erfrischend darf auch die Zusammenarbeit mit den Jodlerklubs bezeichnet werden, die auf der Strecke für Unterhaltung und Kulinarische Höhenflüge gesorgt haben. Es ist bemerkenswert, wie die Jodler ruhig Hand in Hand arbeiteten und zwischen Servieren, Kochen und Aufräumen auch immer wieder Zeit für ein Ständchen gefunden haben.

www.jodlerwanderung.ch

www.jk-lyssach.ch